Der Januar-Blues oder: Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Vom Überwinden eines Monats 

Auch in 2022 steht er vor der Tür: Dieser unnütze erste Monat, der nicht viel mehr zu bieten hat, als einen willkürlichen Anfang zu simulieren. Wir haben Tipps, wie man diesen Monat dennoch überstehen kann.

7 Grad und Nieselregen. Hoffnungsvoll schaue ich wieder und wieder aus dem Fenster. Aber an diesem Bild wird sich für‘s Erste nichts ändern. Am Morgen wird es noch immer verzögert hell, am Abend noch immer viel zu früh dunkel. Und das alles, obwohl die Wintersonnenwende schon seit ein paar Tagen hinter uns liegt. Vorerst also : Weder Zauber noch Aufbruchsstimmung, Graubrot bleibt Graubrot – Hermann Hesse, my ass!

In Benedict Wells neuem Buch Hard Land fällt irgendwann der sehr treffende Satz „auch das geht vorbei.“ Und ja, das ist ja auch völlig klar, dass das irgendwann vorbeigeht. Aber was ist mit jetzt? Wie soll man in diesem Moment mit diesem Januar umgehen?

Wer zu den Glücklichen gehört, noch ein gewisses Reservoir an Resturlaub mit ins neue Jahr genommen zu haben, kann vorerst entscheidende Tage überbrücken. Doch auch diese Tage auf österreichischen Bergen oder in norddeutschen Wellness-Hotels sind irgendwann aufgebraucht. 

Ebenso aufgebraucht wie die unzähligen Wanderrouten, die für den ersten und zweiten Lockdown herhalten mussten. Deshalb heißt es spätestens dann: Strecke machen. Ein richtiges Programm ist gefragt.

Januar_Blues_ueberwinden_Wellness Hotel

Praktisch denken – Thema: Tannenbäume verbrennen

Und vielleicht kann man dazu ja beim Vorhandenen beginnen. Beispielsweise bei Tannenbäumen. Die sind vorhanden. Im Überfluss sogar. Denn nun da es ja Januar ist, liegen die Straßen voll davon. Und wenn man sich jetzt noch einmal an die letzte Nubbelverbrennung erinnert. Damals vor Corona. Als diese Nubbelverbrennung, – wie eh und je – so melancholisch-schön den Karneval beendet hatte. Da wird einem gleich ganz warm ums Herz. Und statt der Strohpuppe könnte man ja nun einfach diese Tannenbäume nehmen. Und damit dann offiziell die Weihnachtszeit beenden und am besten Corona gleich mit.

Digitale Karnevalsfeiern: Vorfreude ist die schönste Freude, oder?

Apropos: Da das dann doch eher unrealistisch erscheint, wird sehr, sehr wahrscheinlich auch in diesem Jahr – alle Kölner Jecken müssen jetzt stark sein – Karneval erneut ausfallen. In früheren Jahren war das insbesondere im Rheinland durchaus auch ein Anker, auf den man hinfiebern konnte. Der Karneval im Februar. Nun wird weiterhin bestenfalls gar nicht gefiebert. Und Karneval findet lediglich digital statt. Aber hey, mit der Zeit gehen, lautet die Devise. Bambi-Kostüm oder Matrosen-Dress aus dem Keller holen, Laptop an, los geht’s. Im Februar versteht sich. Im Januar kann man sich dann zumindest in Vorfreude üben.

Haustier anschaffen – zumindest auf Zeit

Haustier anschaffen – zumindest auf Zeit Sind wir ehrlich. Sich auf Sachen freuen, die noch verdammt weit weg sind, ist wie Türen aufhalten für Leute, die verdammt weit weg sind. In einem Wort: Unangenehm. Deshalb muss noch etwas Anderes her. Am besten gleich etwas Lebendes. Warum also nicht einen 2,50 Meter großen anatolischen Hirtenhund anschaffen, den man dann im Sommer gleich wieder ins Tierheim bringen kann? Bei einer 25 Quadratmeter-Wohnung zum einen endlich eine richtige Herausforderung, zum anderen hat man gleich für den Sommer eine neue Aufgabe, die man erledigen kann.
Januar_Blues_ueberwinden_Haustier anschaffen

Umbaumaßnahmen 2.0 – Wand raus, offen wohnen

Während man im ersten Lockdown einmal die Wohnung komplett auf links gedreht hatte und danach alles aussah, wie gerade aus dem Einrichtungskatalog bestellt, wird es nun eventuell schon wieder Zeit für die erste Renovierung oder aber für den nächsten Evolutionsschritt. Warum also nicht die Wand zwischen Schlafzimmer und Küche einreißen? Wirkt doch gleich viel heller und vor allem viel offener, oder? Oder die komplett andere Richtung: Einfach mal ein paar Wände hochziehen. Beispielsweise jene für das separaten Arbeitszimmer, das schon in der Steuerklärung vermerkt wurde. Den Steuer-Fahndern wird’s gefallen. Ohnehin hätte man demnächst mal nach Fotos gefragt.
Januar_Blues_ueberwinden_Umbaumassnahmen

Alte Häuser anschauen – Ein bisschen Nordkorea in Wanne-Eickel

Wem die eigene (alte) Bude nicht ausreicht, der kann sich natürlich auch in richtig alten Häusern umsehen. Klar, Trendsportart Urban Exploring. Warum nicht mal den ehemaligen Fliegerhorst, die stillgelegte Hotelanlage oder die alte Kokerei ein bisschen genauer inspizieren? Spannend! Wer geeignete Orte dieser Art sucht, findet diese in diversen Facebook Gruppen. Aber Obacht. Nahezu alle Gruppen dieser Art haben eines gemeinsam: Merkwürdige Titelbilder und den rauen Wind eines autoritären Regimes, der in ihnen weht. Wer also schon immer ein bisschen Nordkorea-Feeling in Wanne-Eickel haben wollte, dem sei der Eintritt in diese Gruppe gleich in zweifacher Hinsicht ans Herz gelegt. Und wer sich bei der ein oder anderen Diskussion vielleicht zu sehr involviert, bekommt gleich noch mit erklärt, dass Olaf Scholz ja der Geschäftsführer der Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH ist.
Januar_Blues_ueberwinden_Urban_Exploring_2
Tolle Optionen. Vielleicht schon gar zu viele? Ich schaue ein weiteres Mal aus dem Fenster. Vielleicht gibt es in der Komoot App ja doch noch eine weitere ungenutzte Wanderroute? Kurz darauf gehe ich in den Keller, sehe das Matrosen-Kostüm in der Ecke und nehme mir die Wanderschuhe vom Regal. Das eine Mal mehr oder weniger, das packe ich jetzt auch noch.

Weitere Ideen für einen erträglichen Start ins Jahr gibt es hier:

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.