Über verpasste Vorsätze

Von einem Penis im Meer, einem Milliardär im All und einem deplatzierten Lächeln

Bevor das neue Jahr mit gut gemeinten Vorsätzen startet, kommt zum Jahresende oftmals das große Resümieren: Was hat sich in den zurückliegenden 12 Monaten erfüllt? Was nicht? Und wie könnte der ein oder andere Vorsatz ausgesehen haben, der zu einem bestimmten Endresultat geführt hat? 

Irgendwann zum Ende der Schulzeit muss es gewesen sein, als ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, Neujahrsvorsätze formulieren zu müssen. Anfangs genauso wie es der Großteil der Vorsatz-Formulierenden macht: Unkonkrete und viel zu große Ziele wie mehr Sport, gesünder ernähren oder mit dem Rauchen aufhören standen auf meiner imaginären Liste. Geklappt hatte das nie.

Deshalb folgte später dann der Versuch, aus unkonkreten Vorsätzen konkrete Ziele zu machen. Messbare Ziele. So auch in diesem Jahr. Das Messen hat nur einen unliebsamen Neben-Effekt: Nicht nur die erreichten Ziele liegen am Ende des Jahres klar vor einem, sondern eben auch all die Versäumnisse. In meinem Fall für 2021 ein durchaus verheerendes Bild.

Denn was hatte ich mir nicht alles vorgenommen? Mindestens 5 Mal die Woche Sport, eine eigene kleine Eismanufaktur gründen, ein Buch fertig schreiben, die Ernährung weiter optimieren und ganz nebenbei Traumreisen unternehmen, am besten im Dutzend.

Doch mit meinen zu hoch gesteckten oder zumindest verfehlten Zielen bin ich auf jeden Fall nicht allein. Auch bei der ein oder anderen Person des öffentlichen Lebens ist nicht immer alles ganz rund gelaufen in diesem Jahr. 

Ever Given Kapitän malt Penis ins Meer

Nehmen wir doch beispielsweise die Ever Given. Das Schiff, das im Suez Kanal steckenblieb. Und den Kapitän des Containerschiffs, Krishnan Kanthavel. Vielleicht war es weder Zufall noch dem Alkohol geschuldet, dass die Linien des Fahrtenschreibers nachher ein ins Meer gemaltes Penis-Motiv ergaben. Vielleicht hatte sich Kanthavel irgendwann in den letzten Wochen des ausgehenden Jahres 2020 hingesetzt und sich überlegt, künftig etwas Künstlerisches machen zu wollen. Dass davon wenige Monate später schon die komplette Weltöffentlichkeit Notiz nehmen würde, hätte er vermutlich nicht mal zu träumen gewagt.

Quelle: Ankerherz Blog

Jeff Bezos: Ein weiterer Milliardär im All

Jeff Bezos ist kein Träumer. Jeff Bezos ist ein Macher. Und wer jemals dieses Video aus den ersten Tagen von Amazon gesehen hat, weiß genau, was ich meine. Es zeigt Bezos als einen erschreckend normalen Büro-Dude mit einer etwas zu lauten Lache. Dieser Typ mit seinem selbst gesprayten amazon.com Schild und seinem schlechtsitzenden Hemd hatte es allerdings vermocht, innerhalb weniger Jahre aus einem Bücherversand das mit Abstand gigantischste Handelsunternehmen der Welt zu machen.

 Wenn man so etwas vollbracht hat, klar, dann hält einen nichts mehr auf. Daher kann die logische Folge nur lauten: nächstes Station Weltall. Doch wie hatte Bezos‘ Vorsatz ausgeschaut? Der erste Mensch sein, der Raumfahrt für private Zwecke nicht nur ermöglicht,
sondern auch noch gleich mitfliegt?
 Ja! Und er war ja auch so dicht dran. Doch mit Richard Branson war eben ein anderer Milliardär noch ein bisschen schneller. Und somit war Bezos im Billionaires Club plötzlich nur noch eine schnöde Nummer 2 und für einen ganz kurzen Moment auch wieder der Average Dude aus Albuquerque. 

Laschet lächelt im Flutgebiet

Nach diesem Jahr kann man Armin Laschet sicherlich einiges vorwerfen. Dazu zählt allerdings nicht, dass er nicht humorvoll oder lebensfroh wäre. Denn auch in früheren Jahren hatte man ihn – unter anderem als Pirat verkleidet und stets bestens gelaunt – auf Karnevalsitzungen auftreten sehen. Im Antlitz des bevorstehenden Wahljahres allerdings musste Laschet gewusst haben, welche Prüfungen auf ihn warten würden. Zunächst die Wahl zum CDU-Vorsitzenden, bei der er sich zu Jahresbeginn durchsetzen konnte. Dann später das Gezeter um die Position des Kanzler-Kandidaten, wo er sich immerzu mit Markus Söder hatte herumschlagen musste. Und deshalb – so die These – hatte er sich schon im Spätherbst 2020 zu folgendem Jahresmantra durchgerungen, sich dieses vielleicht sogar als Post-It auf den Spiegel geklebt: Always keep smiling. Wie wir wissen, hatte er Vieles kommen sehen. Dass er mit diesem Motto für 2021 so dermaßen daneben liegen würde, dass hatte selbst er nicht antizipieren können. 

Neujahrsvorsätze_Mehr Sport
Quelle: Facebook Armin Laschet

Annalena Baerbock veröffentlicht Buch mit Schönheitsfehlern

Auch Annalena Baerbock hatte große Ziele für 2021. Neben den offensichtlichen, politischen Zielen auch das etwas weniger offensichtliche Ziel ein Buch zu schreiben. Vermutlich davon angetrieben, ihr Programm bestmöglich auf den Punkt zu bringen. Vielleicht aber auch einfach nur um sich Buch-Autorin nennen zu können. Und wer sich schon mal ernsthaft mit dem Thema beschäftigt hat, weiß, ein Buch braucht seine Zeit. Zeit, die man in stressigen Wahlkampfzeiten nicht gerade massig übrig hat. Daher dürfte schon früh in diesem Jahr der Vorsatz gefasst worden sein, es beim Buch schreiben so zu halten wie ein Start-Up aus dem Silicon Valley: Better done than perfect. Generell ein guter Gedanke. In der speziellen Situation des Wahlkampfs jedoch ein gefundenes Fressen für Unions-nahe Plagiats-Jäger. Gerade dann, wenn mit dem Unvollkommenen die Quellenangaben des Buches gemeint waren. Unter dem Strich somit ein weiterer Vorsatz, den man besser verschoben hätte. 

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Quelle: Instagram Annalena Baerbock

Augen auf bei der Wahl der Neujahresvorsätze

Vielen war es eventuell schon immer bewusst: Neujahresvorsätze sind also mit größter Vorsicht zu genießen. Sie können Träume zum Platzen bringen, Karrieren beenden oder weltweite Versorgungsengpässe nach sich ziehen. Vielleicht also doch wieder ein bisschen mehr Sport, besser ernähren oder den Glimmstängel endlich beiseitelegen… oder eben diese vermaledeiten Vorsätze gleich mit.  

Mehr zu den verpassten Vorsätzen des Jahres gibt es hier:

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